Der schönste Ortsteil von Bad Harzburg

aus vergangenen Zeiten

In einem alten Vertrag, aus dem Jahre 1837, über eine Erbauseinandersetzung einer Westeröder Familie befand sich folgende Aufstellung über die damaligen Beerdigungskosten:

- für den Sarg an den Tischler Staats in Westerode 7T 3mrg
- für Zwiebäcke und Brot 2T 4mrg 8Pf
- für Straußband und Bier  4mrg 8Pf
- für Butter 2mrg 4Pf 
- an den Totengräber  24mrg 
- an die Totdtenfrau  2mrg 
- an den Pastor  1T 24mrg 
- an den Cantor Brömel incl. Läutegeld  30mrg 
- für Branntwein  8mrg 
- für Reis  4mrg 

T=Taler, mrg= Mariengroschen (eine Kuh kostete zur damaligen Zeit 15 Taler)

Dadurch aufmerksam geworden, erfuhr ich von älteren Westerödern, dass es bis zum Ende des 2. Weltkrieges üblich war, die Verstorbenen, bis zur Beerdigung, zu Hause aufzubahren. Die Trauerfeier, die vom Pastor abgehalten wurde, fand dann im Hause des Verstorbenen statt. In größeren Häusern versammelte sich die Trauergemeinde im Haus und bei weniger Platz auch davor. Von dort ging der Leichenzug mit dem Sarg auf dem pferdebespannten Leichenwagen auf den Friedhof zum Begräbnis.

Kirchengelände

Für die Familien, die zu Hause keine Möglichkeit hatten ihre Toten aufzubahren, stand auf dem Friedjof eine kleine Leichenhalle zur Verfügung. Dieses kleine Fachwerkgebäude (1), das auf dem Friedhof neben dem Eingang von der Kirche stand, wurde 1959 nach dem Bau der heutigen Friedhofskapelle (2) abgerissen. Der Leichenwagen war in einem kleinen Gebäude (3) in der nordwestlichen Ecke des Friedhofes untergebracht.

Der heutige Friedhof (4) wurde 1906 eingerichtet. Vorher wurden die Verstorbenen auf dem Kirchhof um die Kirche herum bestattet. Die Mauer (5) um den Kirchhof herum wurde im Jahre 1702 vom Oberamtsmann zu Harzburg, Andreas Caspar von Uslar, der Lehensträger des Gutshofes zu Westerode war, errichtet.

Ich kann mich noch an eine stark verwitterte Inschrift, links vom Eingang erinnern, auf der zu lesen war: ´Gott zu Ehren und seinen Nächsten zum Besten hat diese Mauer erbaut Andreas Caspar von Uslar, Fürstlicher Braunschweigerischer Lüneburgischer Amtmann zur Harzburg anno 1702`

Der nördliche der Kirche gelegene Teil des Kirchhofes wurde bis zum Bau der neuen Schule im Jahr 1962 als Schulhof (6) genutzt.
Der südlich von der Kirche gelegene Teil des Kirchhofes war für die Schulkinder verboten, denn dort hatte der Lehrer Hobom ein Bienenhaus (7) aufgebaut.
Die Fensterscheiben in den Kirchenfenster gingen durch das Fußballspielen der Schuljungen in den Pausen häufig zu Bruch. Tischler Bues hatte die passenden Scheiben dafür schon vorrätig und ein Scheibe kostete in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts - eine Mark.

Die alte Linde, die als Friedenslinde (8) nach Ende des "Dreißigjährigen Krieges" vor der Kirche gepflanzt wurde, war zu den Zeiten als die Pausen auf dem Kirchhof verbracht wurden schon völlig hohl und ein beliebter Spielplatz für die Schulkinder.
Beim Spielen mit Feuer geschah es dann im März 1934, dass die Linde ausbrannte und nur ein ca. 4m hoher Stumpf überlebte, der aber bald wieder neue Triebe und Äste bildete.
Im Jahr 1962, zeitgleich mit der Hamburger Flutkatastrophe, brachen durch den Sturm wieder große Äste ab und man entfernte die Überreste des Baumes dann vollständig.

Heute befindet sich auf dem stillen Platz südlich der Kirche das Ehrenmal (9) für die Gefallenen des 1. und 2. Weltkrieges.
Für den Bereich nördlich der Kirche hat sich heute die Bezeichnung "Kirchwiese" (10) eingebürgert. Unsere Kleinen aus dem Kindergarten nutzen diese Fläche zum Spielen, Toben und Feier. Auch unsere Kirchengemeinde hat dort schon manches fröhliches Gemeindefest abgehalten.

Günter Beuleke

Foto- und Filmdokumente